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Einführung und Überblick zum Akademienvorhaben
Strukturen und Transformationen des Wortschatzes der ägyptischen Sprache
(Beginn 1.1.2013) demnächst nachzulesen an dieser Stelle
Einführung und Überblick zum Akademienvorhaben Altägyptisches Wörterbuch (abgeschlossen 2012)
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzfassung
2. Ausführliche Fassung
2.1. Zur Geschichte des Unternehmens
2.2. Die Neubearbeitung des Altägyptischen Wörterbuches
2.2.1. Konzept: ein virtuelles Wörterbuch
2.2.2. Realisation: Umfang und Wachstum, Nutzung, Datenbankverbund
1. Kurzfassung
Ziel des Projekts ist die Schaffung eines digitalen Corpus der aus dem pharaonischen Ägypten überlieferten Texte, das durch eine lexikalische Datenbank erschlossen ist; das Material soll im
Internet zur Recherche präsentiert werden.
2. Ausführliche Fassung
2.1. Zur Geschichte des Unternehmens
Das Akademienvorhaben "Altägyptisches Wörterbuch" steht in direkter Tradition des Projekts zur Schaffung eines Wörterbuches der ägyptischen Sprache, das 1897 auf die Initiative
Adolf Ermans hin an der Preussischen Akademie der Wissenschaften begründet wurde. Seinen besonderen, damals neuartigen, bis heute einzigartigen Charakter im Rahmen der Lexikographie des
Ägyptischen erhielt das Unternehmen durch die Grundsatzentscheidung, nicht auf der Basis punktueller Exzerpte zu arbeiten, sondern das Wörterbuch der ägyptischen Sprache auf die
umfassende Erschließung des damals erreichbaren Textmaterials zu gründen.
Unter Beteiligung von mehr als 80 Ägyptologen des In- und Auslandes, darunter die führenden Gelehrten ihrer Zeit, wurde zwischen 1897 und 1940 der überwiegende Teil
der damals bekannten Texte erfaßt und auf über 1,5 Millionen Belegzetteln dokumentiert und lexikalisch geordnet archiviert. Dieses Archiv bildete die Grundlage zur Erarbeitung des
publizierten "Wörterbuchs der ägyptischen Sprache" (13 Bde, Leipzig-Berlin 1926-1963). Die intensive Arbeit am Textmaterial trug jedoch weitere Früchte: Zusätzlich zu zahlreichen
Textpublikationen fundamentalen Charakters erwies sich das lexikalische Zettelarchiv selbst als philologisches Forschungswerkzeug ersten Ranges, das zur Aufklärung von Fragen, die in den
publizierten Bänden des Wörterbuches nicht zur Sprache kamen, rege konsultiert wurde und wird.
Nach Abschluß des Wörterbuches der ägyptischen Sprache konzentrierte sich die Arbeit am Wörterbucharchiv seit den 50er Jahren auf die Erforschung spezieller
Textgruppen, medizinischer und mathematischer Texte, sowie auf die Übersetzung der in den "Urkunden des ägyptischen Altertums" veröffentlichten Texte. Die Arbeit an der
Fortführung des Textcorpus wurde 1940 eingestellt.
Seitdem die Grundlagen des Textarchivs gelegt wurden, hat sich jedoch die Menge der uns bekannten Texte aus dem pharaonischen Ägypten durch intensive Feldforschung und
Editionsarbeit mehr als verdoppelt. Weder das Wörterbuch der ägyptischen Sprache, bis heute das einzige umfassende Referenzwerk zur Lexik des Ägyptischen, noch das Textarchiv
können damit den aktuellen Stand der Forschung repräsentieren. Die Neuaufnahme der Arbeit am Altägyptischen Wörterbuch wird daher in der internationalen Ägyptologie seit
langem als Desiderat höchster Priorität empfunden.
2.2. Die Neubearbeitung des Altägyptischen Wörterbuches
Mit der Fortführung des Akademienvorhabens Altägyptisches Wörterbuch hat sich die BBAW dazu bekannt, in diese Verpflichtung einzutreten. Das als so fruchtbar erwiesene Grundprinzip,
die Arbeit am Wörterbuch auf ein umfassend erschlossenes Textcorpus zu gründen, wird dabei weiter gültig bleiben. Die gewaltigen Materialmengen und die Ansprüche der modernen
Forschung an Tiefe und Vielfalt der Materialerschließung fordern jedoch eine neue methodische Plattform, die nur in der konsequenten Aneignung der neuen Möglichkeiten der elektronischen
Datenverarbeitung und der Informationsverbreitung durch das Internet zu gewinnen ist.
2.2.1. Konzept: ein virtuelles Wörterbuch
Im Zentrum der Arbeit steht ein maschinenlesbar erschlossenes Textcorpus, das seiner Anlage nach alle aus dem pharaonischen Ägypten überlieferten Texte aufnehmen soll. Die Texte werden
transkribiert und durch textkritische Notation und morphologische Markierungen strukturiert erfaßt. Diese Transkription kann nicht alle Eigenheiten der Hieroglyphenschrift wiedergeben; das
angewandte Transkriptionsverfahren ist jedoch so angelegt, daß es, gerade im Hinblick auf die Flexionsmerkmale der Wörter, die hieroglyphische Schreibweise erkennen läßt.
Besondere Schreibungen lassen sich im Einzelfall explizit aufnehmen. Durch Anschluß einer Bilddatenbank sollen in der Zukunft nach Möglichkeit Faksimilia der erfaßten Texte zur
Orientierung und Überprüfung bereitgestellt werden. Durchgängig werden die erfaßten Texte von einer Übersetzung begleitet, und grundsätzlich wird auch die Flexionsform
der Textwörter codiert. Die Notation weiterer Merkmale, so z.B. die syntaktischen Funktionen und Relationen der Textwörter, wird möglich, sobald die Entwicklung maschineller Routinen
zur grammatischen Textanalyse weiter vorangeschritten ist.
Die im Textcorpus erfaßten Texte werden durch ein breites Spektrum extratextueller Daten identifiziert und beschrieben. Neben bibliographischen Angaben, die praktischen
Zwecken dienen, stehen Daten zu Textträger, Textsorte, Datierung, Provenienz, Schrifttyp, Sprachstufe usw.: Daten, die es erlauben, das erfaßte Textcorpus statistisch zu beschreiben und in
der Recherche zu segmentieren. Nur so läßt sich die Relevanz der aus dem Textcorpus erhobenen Informationen bestimmen. Diese Textdatenbank bietet die Möglichkeit zu
eigenständiger Fortentwicklung. Die dringend erforderliche Erschließung des im alten Wörterbuch der ägyptischen Sprache erfaßten Textmaterials wie auch die Anlage einer
Textbibliographie des Alten Ägypten, deren Fehlen oft beklagt wurde, können sinnvoll in diesem Rahmen geschehen.
Das Textcorpus ist mit einer lexikalischen Datenbank verbunden. Diese bietet zunächst statisch eingetragene lexikalische Information zu den Lemmata (Bedeutung, Lautbestand,
Schreibung ...), ganz nach Art eines traditionellen Wörterbuches. Allerdings lassen sich in einem computerinternen Wörterbuch die Einträge nicht nur in alphabetischer Folge aufsuchen.
Eine systematische Klassifikation der Lemmata erlaubt ihre Gruppierung z.B. nach Wortarten und besonderen Wortgruppen (Personennamen, Götternamen ...). Darüber hinaus können
Beziehungen zwischen den einzelnen Einträgen hergestellt werden, wodurch etwa Sachverhalte der Wortbildung oder semantische Bezüge zwischen Wörtern dargestellt und abgefragt werden
können.
Die lexikalische Datenbank greift jedoch noch in anderer Hinsicht über den Rahmen eines traditionellen Wörterbuches hinaus. Sie enthält maschinell interpretierbare
Information zu Flexions- und Rektionsverhalten der Wörter, die in der automatischen Analyse des Textcorpus zum Tragen kommt. Schließlich erlaubt es die Verkettung mit dem Textcorpus, zu
Einträgen der lexikalischen Datenbank dynamisch stets aktuelle Information zu Wortvorkommen, Konstruktion und Verbindung mit anderen Wörtern abzufragen. Das Belegmaterial zu den einzelnen
Einträgen kann unmittelbar aus dem Textcorpus abgerufen werden. In der Verbindung von Textcorpus und lexikalischer Datenbank lassen sich auch im Hinblick auf bestimmte Fragestellungen
Teilwörterbücher zusammenstellen. Damit stellt sich das virtuelle Wörterbuch gleichzeitig als Medium der Auskunft über den Wortschatz der ägyptischen Sprache wie als Werkzeug
zu seiner Erforschung dar. Über die lexikographische Forschungsperspektive hinaus bietet es sich als Einstiegspunkt in die Textüberlieferung des pharaonischen Ägypten im Rahmen der
philologischen und kulturhistorischen Forschung an.
2.2.2. Realisation: Umfang und Wachstum, Nutzung, Datenbankverbund
Die Realisation eines so umfassenden Projekts muß den Rahmen des
Machbaren im Auge behalten. Das Gesamtcorpus der unbedingt zu erfassenden
Texte wird auf ca. 5 Millionen Textwörter geschätzt. Durch die Kooperation
mit anderen Forschungseinrichtungen sowie durch neu programmierte
Hilfsmittel soll die Texterfassung immer effizienter werden, um in
absehbarer Zeit ein repräsentatives Corpus aufbauen zu können. So wurde im
Jahre 1999 an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig eine
Arbeitsstelle ins Leben gerufen, die vorrangig die Aufnahme der
literarischen Texte übernommen hat. Im Jahr 2000 wurde durch die Akademie
der Wissenschaften und der Literatur (Mainz) in Würzburg eine Arbeitsstelle
inauguriert, die der Erstellung einer Datenbank demotischer Texte gewidmet
ist. Weiter hat sich das Totenbuchprojekt der Universität Bonn entschlossen,
das Textmaterial in einem mit den Erfassungsprinzipien des
Wörterbuchprojekts kompatiblen Format einzugeben und ebenfalls eine
Veröffentlichung über die Publikationsplattform des Altägyptischen
Wörterbuches zu erproben. Seit 2003 ist dieses Projekt von der
Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften übernommen worden. Alle
drei Arbeitsstellen arbeiten mit dem Erfassungssystem der Berliner
Arbeitsstelle. Seit Sommer 2005 gibt es auch eine Zusammenarbeit mit der Katholieke Universiteit
Leuven. Dort werden Texte aus
ptolemäischer Zeit ebenfalls mit dem Berliner System erfaßt und
über die Plattform des Altägyptischen Wörterbuchs zur Verfügung gestellt. Damit werden erstmals auch
französische Textbearbeitungen in die Datenbank integriert. Entscheidend ist, daß die Nutzbarkeit des Materials nicht
erst mit dem Abschluß des Gesamtprojekts möglich wird. Die Textdatenbank ist
jederzeit in ihrem aktuellen Zustand mit Gewinn zu konsultieren. In einer
ersten Ausbaustufe wurde dieses neuartige, sich dynamisch fortentwickelnde
Forschungswerkzeug als Thesaurus Linguae
Aegyptiae
ab Oktober 2004 im Internet weltweit zur Verfügung gestellt. Er wird
jährlich 2 Mal aktualisiert, wobei jeweils am 31.10 jeden Jahres, dem
Geburtstag Adolf Ermans, eine neue Version angeboten wird.
Um sich dem Ziel der Erschließung eines umfassenden Textcorpus schneller
zu nähern, ist bereits anderwärts erfaßtes Textmaterial nach Möglichkeit
einzubeziehen. Das Projekt arbeitet daher nicht nur am Aufbau der eigenen
Textdatenbank. Es will darüber hinaus interessierten Fachwissenschaftlern
komfortable Werkzeuge zur datenbankgestützten Texterfassung zur Verfügung
stellen. Sodann wird daran gearbeitet, unter der einheitlichen
Rechercheoberfläche der Textdatenbank des Altägyptischen Wörterbuches eine
Vielzahl unterschiedlicher, auch auswärtiger Datenbestände zu integrieren.
Dadurch wird es möglich, spezialisierte Textdatenbanken, ohne in ihre
Struktur und Autonomie einzugreifen, unter einer gemeinsamen
Nutzerschnittstelle verfügbar zu machen.
Einen wichtigen Schritt in diese Richtung stellt bereits die Erschließung
des
Zettelarchivs des Wörterbuches der Ägyptischen Sprache dar, das seit
Ende März 1999 in digitalisierter Form zur Recherche im Internet verfügbar
ist.
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