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Das Digitalisierte Zettelarchiv und das Wörterbuch der ägyptischen Sprache

Ein in der Ägyptologie einmaliges und bis heute in seinem Umfang unübertroffenes lexikographisches Projekt war das im Jahre 1897 durch Adolf Erman initiierte Wörterbuch der ägyptischen Sprache. Unter seiner Leitung wurde dieses Großprojekt über drei Jahrzehnte mit vielen unermüdlichen Helfern, darunter namhaften Ägyptologen aus dem In-und Ausland durchgeführt und konnte schließlich mit der Drucklegung der fünf Hauptbände des "Wörterbuches der ägyptischen Sprache" zwischen 1926 und 1931 in ein grandioses Ergebnis überführt werden [1]. Seine Substanz und seine Qualität haben es zu einem Standardwerk der Ägyptologie werden lassen, das es bis heute geblieben ist, trotz inzwischen vieler neu gewonnener Erkenntnisse.
Allerdings mußten bei der Darstellung in Buchform erhebliche Kompromisse gemacht werden, wie üblich bei lexikographischen Kompilationen. Viele interessante Sachverhalte über den Gebrauch von Wörtern in den verschiedenen Epochen der pharaonischen Geschichte oder in unterschiedlichen Textgattungen ließen sich nur andeuten oder fielen ganz den ökonomischen Darstellungszwängen zum Opfer [2].

Das Zettelarchiv
Die Arbeit am alten Wörterbuch der ägyptischen Sprache hinterließ umfangreiches Archivmaterial, das an der Arbeitsstelle des heutigen Akademienvorhabens "Altägyptisches Wörterbuch" aufbewahrt wird. Seinen Kernbestand bildet eine lexikographische Verzettelung der verarbeiteten Texte. Für die Aufnahme in das Textcorpus des großangelegten Projektes wurden in den Jahren von 1897 bis 1943 Tausende ägyptischer Texte verzettelt. Das so gewonnene Zettelmaterial wurde unter inhaltlichen und praktischen Gesichtspunkten in mehrere Gruppen untergliedert. Daraus gewann man verschiedene und jeweils alphabetisch sortierte Serien von Zetteln. Die Masse der Zettel gelangte in die

  • alphabetische Hauptverzettelung.
Weitere Zettelserien bilden die Sammlungen der
  • Personennamen,
  • Königsnamen,
  • Ortsnamen,
  • Götternamen.
Die fortlaufenden Texte, d.h. alle Einzelzettel eines Textes hintereinander gestellt, finden sich außerdem in den zwei Sammlungen
  • Vogelsangexemplar,
  • Mappenexemplar.

Separiertes und bisher unsortiertes Material befindet sich ebenfalls noch im Archivbestand.

Aufbau und Verwendung des Berliner Zettelarchivs
Die alphabetische Hauptverzettelung umfaßt ca. 1,2 Millionen Zettel mit Textabschriften, die die Belege für den Gebrauch der ägyptischen Wörter dokumentieren. Die Vielzahl der Belege ist nur dank einer detaillierten lexikalischen Feinsortierung praktisch benutzbar. Das Zettelmaterial ist durch eingelegte Trennkarten (Lemma- und Reiterkarten) untergliedert. Das oberste Niveau bilden die Lemmakarten, die im Zettelkasten in alphabetischer Reihenfolge einsortiert wurden, natürlich entsprechend der Lesung der ägyptischen Wörter zur Zeit der Durcharbeitung des Materials von ca. 1910 bis 1925. Nach den Lemmakarten folgen meist Zettel mit hieroglyphischen Schreibungsvarianten der betreffenden Wörter. Erst danach stehen die Zettel mit den eigentlichen Textabschnitten. Diese Zettel sind durch Reiterkarten weiter unterteilt und so nach lexikalischen Gebrauchsweisen und teils grammatischen Konstruktionen sortiert. Die vielen zwischen den Lemma- und Reiterkarten stehenden Textzettel selbst gliedern sich in speziell mit Zahlen markierte Belegzettel und oft einer großen Menge nichtmarkierter Zettel. Die markierten "echten" Belegzettel sind genau die in den später publizierten Belegstellenbänden des Wörterbuches der ägyptischen Sprache [3] zitierten Textstellen. Diese Zettel belegen ganz exakt den Wortgebrauch, für den sie das Wörterbuch als Beispiele heranzieht. Die zahlreichen unmarkierten Zettel, die dann folgen, zeigen den Wortgebrauch zwar meist genauso, wurden aber aus quantitativen Gründen nicht publiziert. Damit waren sie früher nur im Berliner Archiv selbst überprüfbar. Durch diese Art der lexikalischen Feinsortierung, die auf Grund eines Vorschlags von Kurt Sethe 1909 begonnen wurde - und zwar nach den ersten Versuchen zur Erstellung eines handhabbaren Wörterbuchmanuskriptes [4] - lassen sich bis heute viele interessante Verwendungsweisen ägyptischer Wörter bis hin zu idiomatischen Ausdrücken anhand des Zettelarchivs studieren. Erst eine solche lexikalische Unterteilung bot letztlich dann auch die solide Grundlage für die erfolgreiche Erarbeitung der fünf Hauptbände des Wörterbuches der ägyptischen Sprache in den Jahren 1925 bis 1931.
Sein Umfang und die lexikalische Sortierung machen das Archiv trotz der Publikation des Wörterbuches bis in die Gegenwart zu einem hochaktuellen Hilfsmittel beim Studium ägyptischer Texte und liefern den Anknüpfungspunkt für die völlig neuartige Nutzung in digitalen lexikalischen Systemen.  

Das Digitalisierte Zettelarchiv
Das gesamte Archiv, das der Erarbeitung des Wörterbuchs der ägyptischen Sprache zugrunde lag, wurde - unterstützt durch Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft - in den Jahren 1997-1998 digitalisiert und zwischen 1998 und 2002 indiziert. Von 1999 bis 2004 stand es mittels eines speziellen Anzeigeprogramms im Internet als Digitalisiertes Zettelarchiv (DZA) zur Verfügung [5]. Seit 2004 ist es in die Navigationsoberfläche des "Thesaurus Linguae Aegyptiae" eingegliedert und dient nun als wichtiger Bestandteil eines umfangreichen lexikalischen Systems ägyptischer Texte für vielfältige sprachliche und kulturgeschichtliche Untersuchungen [6].
Bis auf das separierte Material liegt der gesamte Archivbestand in digitalisierter Form vor. Um die riesige Zahl von Bilddateien (ca. 1,5 Millionen) praktisch nutzbar zu machen, war es nötig, sie durch eine Indexdatei zu erschließen. Das bedeutet, daß nur in dem Teil des Materials recherchiert werden kann, für den die Indizierung bereits geleistet ist; das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt die alphabetische Hauptverzettelung, der Kernbereich des Archivs. Die Sonderverzettelungen der Orts-, Königs-, Personen- und Götternamen sind durch die Indizierung noch nicht erfaßt. Die Suche nach solchen Lemmata führt daher, bis auf einzelne Ausnahmen, nicht zum Erfolg; auch dann nicht, wenn diese Wörter mit Belegstellenangaben im Wörterbuch der ägyptischen Sprache verzeichnet sind. Ihre Indizierung soll zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt werden. Allerdings lassen sich die einzelnen digitalisierten Zettel aus dem nichtindizierten Bereich bereits über ihre Bildnummern erreichen, wie in der Online-Dokumentation des DZA unter "Zitieren und Auffinden eines einzelnen Zettels" nachzulesen ist .

Zur Navigation im Digitalisierten Zettelarchiv
Der Einstieg erfolgt ausschließlich über den Thesaurus Linguae Aegyptiae mit der URL

Nach dem Login erreicht man eine Seite mit den Angeboten des TLA. Unter " Suchen im Digitalisierten Zettelarchiv" findet man den Einstieg in die Suchmaske und kann seinen Suchwert eingeben. Als Ergebnismenge erhält man eine lexikalische Liste der Einträge, die den Suchkriterien entsprechen und kann dann über Anklicken der entsprechenden Lemmata die zugehörigen Zettel des Archivs einsehen. Obgleich die Anordnung des Materials in den fünf Bänden des Wörterbuches einerseits und dem Zettelarchiv andererseits in wichtigen Aspekten parallel ist, sind beide Organisationssysteme nicht identisch. Das gedruckte Wörterbuch stellt eine Komprimierung des großen Zettelarchivs dar. Daher sind teils sogar unterschiedliche Lemmata in beiden Systemen angesetzt. Es wird daher empfohlen, den Zugang nicht nur über die Belegstellenstruktur zu suchen, sondern auch über die vielfältigen anderen angebotenen Möglichkeiten zur Navigation, die der Online-Dokumentation des DZA und dem Hilfetext unter "Suche im Digatisierten Zettelarchiv zu entnehmen sind.

Die Digitalisierung des Wörterbuches der ägyptischen Sprache
Da das Wörterbuch strikt auf der Grundlage kompletter Textverzettelungen geschaffen wurde und die Belegstellen aus dem Zettelarchiv auch im gedruckten Wörterbuch über Belegstellenzifferncodes referiert wurden, konnte zumindest ein Teil der Belegstellen in den Jahren zwischen 1935 und 1953 in ebenfalls fünf Belegstellenbänden publiziert werden [3]. Allerdings finden sich in diesen Belegstellenbänden lediglich bibliographische Referenzen auf die verzettelten Texte - die Texte selbst aber nur in in Einzelfällen als kleine Satzpassagen. Die Fülle des Textarchivs blieb unpubliziert.

Mit der schließlichen Digitalisierung auch des gedruckten Wörterbuchs und der Verbindung der dort abgedruckten Belegstellennummern mit den digitalisierten Zetteln des Belegarchivs verfolgen wir die drei Ziele:

  • Direkter Zugang zu allen Wörterbucheinträgen und zwar in einer für den Ägyptologen intuitiven und gewohnten Weise,
  • Schaffung sofortiger Überprüfungsmöglichkeiten dieser Angaben anhand der zugrundeliegenden Textabschriften auf den Zetteln, einschließlich der überwiegend chronologisch sortierten Schreibungszettel,
  • Kompakte Informationen zu den hieroglyphischen Schreibungen einzelner Wörterbucheinträge, über Belegzeiten, Textarten und häufige Wortverbindungen, die das gedruckte Wörterbuch so reichhaltig bietet.
Darüber hinaus soll es die großartige Leistung des dänischen Ägyptologen Wolja Erichsen würdigen, der die mühevolle Arbeit der handschriftlichen Erstellung des Wörterbuchmanuskriptes in gelungener Form vollendete.

Diese Nutzung der digitalisierten Wörterbuchseiten bietet eine zusätzliche Form der Benutzung des "Digitalisierten Zettelarchivs". Sie gibt die Möglichkeit, exakt dem gedruckten Wörterbuch der ägyptischen Sprache folgend den Einstieg in das zugrundeliegende Zettelarchiv zu erreichen. Es sei aber betont, daß dieser Zugang nur eine eindimensionale Navigation zuläßt. Der Zugang über das "Digitalisierte Zettelarchiv" dagegen bietet Suchmodi entweder über die Transkription, die Übersetzung oder die Belegstellenangabe sowie kombiniert und ist daher wesentlich komplexer.

Wichtiger Hinweis:
Der Zugang zu den Zetteln ist auch über die Lemmaliste der neuen Textdatenbank des Thesaurus Linguae Aegyptiae möglich [6]. Dieser Einstieg über die moderne Textdatenbank bietet die neuen Ergebnisse lexikographischer und philologischer Forschungen und wird durch ständige Aktualisierungen den Möglichkeiten des Mediums Internet am besten gerecht.

I. Hafemann



[1] A. Erman und H. Grapow (Hrg..), Wörterbuch der ägyptischen Sprache, 13 Bde, Berlin und Leipzig 1926-1963.
[2] A. Erman und H. Grapow, Das Wörterbuch der ägyptischen Sprache, Zur Geschichte eines großen wissenschaftlichen Unternehmens, Berlin 1953; S. Seidlmayer, Altägyptisches Wörterbuch, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1999, 16 ff..
[3] A. Erman und H. Grapow (Hrg.), Wörterbuch der ägyptischen Sprache, Belegstellen, 5 Bde, Berlin und Leipzig 1935-1953.
[4] S. Seidlmayer, Der Thesaurus Linguae Aegyptiae im Internet, Göttinger Miszellen 203, 2004, 102; vgl. http://aaew.bbaw.de/tla/ unter der Rubrik "Das Vormanuskript des Wörterbuches der ägyptischen Sprache".
[5] Das Zettelarchiv des Wörterbuches der Ägyptischen Sprache. Aufbau, Digitalisierung, Erschließung und Konsultation im Internet, S. Seidlmayer u.a., Thesaurus Linguae Aegyptiae 1, Berlin 2000. Siehe auch Online-Info zum Digitalisierten Zettelarchiv unter: http://aaew.bbaw.de/wbhome/dzaInfo/index.html.
[6] S. Seidlmayer, Der Thesaurus Linguae Aegyptiae im Internet, in: Göttinger Miszellen 203, 2004, 99-104.; ders. Die neue Version des Thesaurus Linguae Aegyptiae im Internet, in: Göttinger Miszellen 207, 2005, 107-111.

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